...und zwar heute
Abend. Damit ich mich dann richtig austoben kann mit meinen
Erlebnissen in der Weltstadt Zhengzhou lass ich euch noch ein paar
Kleinigkeiten und Episoden aus meinem Alltag wissen. Anlässlich zur
Golden Week habe ich mir ein Nagelstudio gegönnt und mir die French
Manicure mit goldenen Fingerspitzen machen lassen. Für 2€ :D
Außerdem besitzen wir seit ein paar Wochen einen Staubsauger mit dem
ich jetzt übers Parkett düsen kann. Naja, ich habe jetzt immer viel
Parkett zu saugen, denn mein Zimmer ist für diesen Monat das
Wohnzimmer. Auf der Couch schläft es sich klasse, denn die Betten
sind ganz schön hart. Sonst ist es recht langweilig die ganze Zeit
in der Stube zu sitzen und nirgendwo hinzugehen, aber manchmal kommt
ja auch jemand zum Quatschen vorbei. Die erste Horrorbegegnung haben
Olli und ich auch schon hinter uns. Eines Abends wollten wir nochmal
was zum Futtern holen gehen und kaum sind wir ein paar Schritte
gegangen, kommen aus einer Seitenstraße zwei Leute mit einer
Schubkarre gefahren und auf der Schubkarre....liegt ein Mensch! Ein
TOTER Mensch! Wir konnten den Blick vor lauter Schock nicht von ihm
lassen, wird da doch gerade direkt für alle sichtbar eine Leiche
über die Straße gefahren. Nach dem Anblick, den ich jetzt noch
nicht vergessen habe, hatten wir plötzlich gar keinen Hunger mehr
und standen 2 Minuten später wieder in der Wohnung. Überhaupt haben
wir mittlerweile auch die dunklen Seiten unseres Viertels entdeckt.
Ein paar Häuser weiter befindet sich ein Hunderestaurant und unser
lieber Wachmann ist in einen so heftigen Streit geraten, dass er
sogar gewürgt wurde. Außerdem ist Olli beklaut wurden vor ein paar
Wochen, ihr Portemonnaie ist aus ihrer Tasche verschwunden und letzte
Woche ist Christian fast Opfer des mutmaßlich gleichen Diebes
gewurden, er hatte seine Finger schon am Reißverschluss von
Christians Rucksacks als ich es bemerkt habe. Aber, der Dieb...ist
ein Kind! Und....KEIN Chinese! Ich war so versteinert vor Schock,
dass ich ihn auf frischer Tat ertappt hab, dass es ein Kind ist und
das er aussieht wie ein kleiner Kubaner, Brasilianer, Latino,
jedenfalls kein Chinese ist. Naja, den haben wir uns eingeprägt und
auffallen tut er ja, is ja immerhin auch ein Ausländer. Manchmal
komm ich mir auch schon vor wie ein Chinese. Denn wenn wir
Nicht-Chinesen sehen, drehen wir uns auch schon jedes Mal verwundert
um und rufen aufgeregt „Ausländer“ (in der chinesischen Fassung
„Waiguoren“ oder „Laowai“). Wer würde in Deutschland je
darauf kommen, einem Fremden „Ausländer“ hinterherzurufen? Wenn
es ums Essen geht, bin ich nicht wirklich experimentierfreudig. Ich
traue mich nur an Dinge heran, die ich in ähnlicher Form auch von
Zuhause kenne, oder die ich bei anderem schonmal gekostet habe und
die mir zusagten. So kommt es, dass ich in letzter Zeit viel „Döner“,
Reis mit Tomatenei, Pilzpfanne oder Kekse futter.
Hammelfleischspiesse sind immer noch der absolute Renner und es gibt
eine Fortsetzung vom Wettfuttern. Wenn wir nämlich aus dem Scarlet
heimkommen, laufen wir jedes Mal an einem nächtlichen Grillstand auf
der Straße vorbei wo alles mögliche Spießezeug frisch gegrillt
wird und wo es die allerbesten Hammelfleischspiesse der Stadt gibt
(und mit 5 Cent pro Spies die günstigsten). Also, haben Kien und ich
uns an den Grill gestellt und insgesamt 40 (!) Spieße bestellt. Wie
das ausging? Unentschieden. Es bestand keine große Herausforderung
darin jeweils 20 Spieße zu futtern, nur das Übelkeitsgefühl am
Morgen, das is nicht angenehm, deshalb wird es die nächsten Wochen
erstma nichts hammeliges für mich geben. Eines Abends hatten wir
noch eine Spielhalle besucht und uns da richtig ausgetobt, kostet die
Benutzung eines Automaten auch so gut wie nichts. Basketball, Tekken,
Maulwurfkloppe und für die Jungs Sniperspiele waren echte
Highlights. Eigentlich wollten Olli und ich die, in Asien so
beliebten, Tanzspiele ausprobieren, aber haben es dann doch nicht
gemacht, weil die Automaten genau so stehen, dass alle zugucken
können und die Chinesen im Allgemeinen die Lieder auswendig lernen
um dann richtig anzugeben und wir uns dann als blutige Anfänger
nicht getraut haben. So, das noch als lustiger Nachtrag zu den
letzten Wochen, was am Rand noch so alles passiert ist. Ich werde nun
meinen Rucksack packen und mich ins unbekannte Abenteuer Zhengzhou
begeben.
Tschüss und Gruß
aus (dem wieder schön sonnigen) Nanjing!!
Eure Karo :-)