Der Anhängselurlaub zur Reise mit
meinen Eltern bildet den letzten Teil meiner großen China-Tour. Am
Tag des Abschieds sind nicht nur die beiden mit zum platzen gefüllten
Koffern (bestimmt 20kg Zeugs von mir mitgenommen^^) zum Pudong
Flughafen aufgebrochen, auch ich war an Bord und hatte meine
(halbleere) Reisetasche dabei, würde mein Flieger doch eine Stunde
später starten. Wo ging es hin? Der Zielort heißt Chengdu, die
Hauptstadt der bekannten Provinz Sichuan, 3h entfernt, mein längster
Flug in China und mein einziger in den Westen (abgesehen von meiner
Heimreise in 3 Wochen). Chengdus Stadtbild erinnerte mich sofort an
Nanjing und dementsprechend heimisch fühlte ich mich. Nach Ankunft
wartete ich eine Stunde im Hotel und bald darauf traf auch Christina
ein. Perfekt, wie so ein Treffen im Unbekannten, vage per SMS eine
Woche vorher von Qingdao und meinen einzelnen Reisezielen aus
geplant, so reibungslos funktioniert. Überhaupt hat mir China
Gelassenheit und Spontanität beigebracht. Eine grobe Planung der
Reise à la „Wir gucken das, das und das an“ reicht aus, es ist
ganz gut, wenn man eventuell die Adresse vom Hostel kennt, 10 Minuten
bevor der Zug abfährt am Bahnhof ankommen, ein Rückflug kann auch
noch 1h vor Abreise gebucht werden und 200 Yuan in der Tasche sind
mehr als genug, eine Bank wird man auch am Zielort finden. Eigentlich
katastrophal wie die Vorbereitung für meine ganzen Ausflüge
aussieht, aber ihr seht, wie viel ich doch immer gesehen habe und
schief gegangen ist gerade mal das mit dem verpassten Zug von Beijing
im November. So war auch der gemeinsame Kurztrip mit Christina nach
Chengdu gelungen und absolut lohnenswert. Der erste Tag war
gemütlich, wir sind zum taoistischen Qingyang Tempel gefahren. Mal
wieder ein Tempel, doch mal ganz interessant, weil da wirklich Leute
gewohnt haben, im Tempel! Da stehen die Schuhe aufgereiht vor der
geöffneten Zimmertür, in dem eine alte Omi betet, eine Gruppe macht
Tai-Chi Übungen im Hof, es spielt jemand Geige und ein anderer
wäscht Wäsche auf dem Waschbrett. Wie in einer anderen Zeit, zumal
wir beiden auch die einzigen Besucher waren und alles so idyllisch
war und sich keiner für unsere Anwesenheit interessierte. Ein China
wie ich es mir in meinem romantischen Bild vorstelle: Tradition und
friedliche Stille. Ehrlichgesagt habe ich nicht geglaubt, dass ich
sowas in China finden werde, deshalb hat mich der Besuch wirklich
glücklich gestimmt :) Dann noch einen echten Sichuaner Hotpot
probiert, der gut aber ziemlich fettig war...Am nächsten Tag sind
wir früh aufgestanden und sind mit dem Taxi zum Busbahnhof gefahren,
das mit 4 Yuan (40 Cent) den billigsten Startpreis für Taxis hatte,
den ich in China gesehn hab (Qingdao 7, Peking/Nanjing 10, Shanghai
12 (nachts 16!)). Der Bus brachte uns dann in 2,5h Fahrt zu einer der
größten (im wahrsten Sinne des Wortes) Sehenswürdigkeiten in
Sichuan, dem gigantischen Buddha in Leshan. Die Stadt Leshan selbst
scheint ein Shoppingparadies zu sein, ehrlichgesagt hab ich nichts
anderes als Läden gesehen und zu Mittag haben wir auch kein
Restaurant gefunden, da musste dann eine Instant Nudelsuppe
herhalten. Sonst haben wir an dem Tag eben einen riesigen Buddha
gesehen, der an einem Fluss in den Berg gehauen ist. Erst mit dem
Schiff vorbeigedüst. Ernsthaft, wir dachten, einmal mit dem Boot
vorbeirasen war alles von der recht teuren Bootstour, die wir uns
geleistet haben um den Koloss vom Fluss aus fotografieren zu können.
Zum Glück haben wir dann nochma direkt vor ihm gehalten und konnten
gut fotografieren...und die Chinesen uns -.- Nur tragen wir auf
unseren Fotos keine leuchtorangenen Schwimmwesten :) (mal ehrlich,
wir waren mit keinem Speedboot unterwegs und können im Gegensatz zu
Chinesen schwimmen). Nachdem die Tour beendet war und wir feststellen
mussten, der schöne Berg, der „gleich nebenan“ sein soll ist
doch 40km entfernt, haben wir uns eben nochmal dazu hinreisen lassen
jetzt auch noch um den Buddha herum zu klettern und haben so den
ganzen Tag mit der Steinstatue verbracht, was aber okay und sogar
schöner als erwartet war. Der zweite Tag war, obwohl wir alles
geschafft hatten, ein wenig enttäuschend, zumal das Wetter schonmal
unangenehm regnerisch war. Wir haben ein nächstes UNESCO
Weltkulturerbe besucht, das antike Dujiangyan Bewässerungssystem!
Klingt nicht aufregend, war auch ein Reinfall. Lustig an dem Tag war,
dass uns auf dem Weg dahin jemand hinten aufs Taxi gefahren ist,
irgendwann musste es ja mal passieren, und wir ohne für die Fahrt zu
bezahlen gehen durften, waren zum Glück nur noch 100m zum Eingang.
Ich will mich am Bericht für diesen Tag gar nicht so lange
aufhalten. Das Bewässerungssystem besteht aus einer Flusslandschaft,
doch leider mussten wir feststellen, dass der Großteil des bestimmt
schönen Gebietes von dem Erdbeben in Sichuan vor ein paar Jahren
betroffen war und man das deutlich heute noch sieht. So waren die
neblichen Berge das fotografierenswerte Highlight des Tages.
Überhaupt waren wir doch sowieso nur aus einem Grund nach Chengdu
gekommen: Pandabären =) In Chengdu befindet sich nämlich DIE
Aufzuchtsstation für das chinesische Maskottchen. Und sie sind
magisch: ich kann mir niemanden vorstellen, der sich nicht sofort in
diese dicken, faulen, verfressenen Pelzkugeln verliebt. Nach dem
Besuch ist einfach jeder ein Panda-Fan! Christina und ich haben
Stunden verbracht ihnen beim Bambusknuspern und rumrobben zuzusehen.
Sooo cool!!! Ich nehme mal an, die sind so faul, dass sie nicht mal
laufen wollen, jedenfalls kugeln die sich von Punkt A zu B und auf
halben Weg bleiben sie einfach liegen und fallen ins Koma aus dem sie
erst wieder erwachen, sobald eine neue Tonne Bambus in ihren Graben
geworfen wird. Schlafen und Fressen, was für ein Leben^^ Pandas sind
die coolsten Tiere der Welt! Wieder was gelernt und ein weiteres
Highlight des Chinajahres erlebt. Schaut euch die Bilder an!! Chengdu
bildet nun den krönenden Abschluss meiner langen Tour durch die
wichtigsten Punkte des Landes. Danach habe ich wieder brav mein
Praktikum besucht. Mittlerweile ist es vorüber und ich was es noch
an großen neuen Überraschungen gibt, erfahrt ihr demnächst ;)
Die weitgereiste Karo, deren Abenteuer in Asien noch nicht vorrüber sind...
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